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Mittwoch, 1. April 2015

Gegen die Wand




Fatih Akin, GER 2004 - 9.75/10

Ich habe den Film schon häufig erwähnt, jetzt sehe ich es an der Zeit, einen eigenen Post diesem Film zu widmen, dem wichtigsten Deutschen Film der Dekade. Akin erzählt eine epische Geschichte über die Liebe und wie sie Menschen zerstören kann. Dabei eingestreut sind ebenso die Themen "Selbstmord", "Leben als Mensch mit Migrationshintergrund in Deutschland" und "Entscheidungen". Ihr merkt, dies ist ein schwerer Brocken von einem Film, den man auf keinen Fall im Hintergrund laufen lassen kann. Nimmt man sich aber die Geduld, dann erlebt man einen deutschen Film, wie ich ihn mir vorher nie hätte vorstellen können: Solch eine Intensität habe ich selten bei einem Film im allgemeinen gesehen. Der Film nimmt einen brutalen Schnitt zur Hälfte, der das komplette Leben aus der Handlung saugt, eine Stimmung entwickelt, die total hypnotisiert und man seine Augen nicht mehr vom Bildschirm ziehen kann. Wer da nicht in seinem innersten wachgerüttelt wird, der hat nie gefühlt, geschweige denn gefühlt.

Diejenigen, die jetzt immer noch nichts mit diesem Werk anfangen können, dem sei ein weiterer Grund genannt: Die weibliche Hauptrolle wird von Sibel Kekilli verkörpert, den der Großteil aus der Serie "Game of Thrones" kennen sollte, oder auch als Komissarin des Kieler Tatorts.

Sibel (so auch der Name der Figur im Film) trifft in einem Hamburger Krankenhaus auf Cahit (Birol Ünel), der mit seinem Wagen alkoholisiert gegen die titelgebende Wand gefahren ist. Sibel hat ebenso einen Selbstmorversuch hinter sich. Beide sind mit ihrem Leben unzufrieden. Sibel rebelliert gegen das traditionelle Leben ihrer türkischen Eltern, sie will frei leben. Cahit ist im Grunde ein großer Verlierer, der saufend durch Hamburg zieht und nichts hinbekommt. Diese beiden verlorenen Seelen treffen jetzt aufeinander und die muntere Sibel hat einen für sie sensationellen Plan: Die beiden heiraten, damit ihre Eltern besänftigt sind und sie dann frei leben kann. Cahit stimmt dem Plan zu und die beiden heiraten. In einer wunderbaren Montage sieht der Zuschauer, wie die beiden ihren Hochzeitstag verbringen: Getrennt voneinander mit einem jeweils anderen Partner im Bett. Über die kommenden Wochen allerdings - Sibel zieht in Cahits vergammelte Bude, die sie auf Vordermann bringt - entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die allerdings je zunichte gemacht wird.

Mehr will ich nicht über die Handlung schreiben, was dann aber passiert, gehört zu den mitreißendsten Szenen der letzten zwanzig Jahre. Beide durchleben unglaublich intensive Momente, die schwer für den Zuschauer mit anzusehen sind. Es sind Bilder, die man nie vergessen wird, was sowohl an der Leistung Akins liegt, der eine unerträgliche Bandbreite an Gefühlen zu vermitteln weiß, als auch vor allen an den schauspielerischen Leistungen von Kekilli (in ihrerer ersten großen Rolle) und Ünel, die genauso wie der Film, mit Preisen überhäuft wurden - der Film wurde mit dem goldenen Bären des Berliner Filmfestivals ausgezeichnet.

Dies ist ein harter Film, der garantiert nicht vielen Leuten gefallen wird, wer sich allerdings auf ihn einlässt, der wird umso mehr belohnt mit einem Meisterwerk, dass den Zuschauer durch die Tiefen der menschlichen Emotionalität schleift, ihn dabei zerstört, doch letztlich wieder aufbaut. Ein sensationeller, bemerkenswerter Film.

Sonntag, 22. März 2015

Harry Potter 3 - Der Gefangene von Askaban

*HERMIONE-SMASH*



Und wir sind zurück!! Hat ja auch nur sieben Monate gedauert. Aber egal, willkommen zu den Jahren drei und Jahr der Zauberer-Gang um Harry "Boss" Potter, Ron "Side-Kick" Weasley und Hermine "die heimliche Nr.1" Granger. In der heutigen Ausgabe lernen wir einen schmuddeligen Kriminellen, eine Ratte und einen rauchigen Turm kennen.

Teil 3:

Harry Potter und der Gefangene von Askaban
"Reveal your secrets."


 

Alfonso Cuarón, UK 2004 - 8.75/10 (vielleicht sogar 9/10)

Willkommen zum dritten Jahr in Hogwarts, zunächst befinden wir uns aber im Lingusterweg, im Haus der Dursleys. Harry wird weiterhin gemobbt, sowohl von Dudley, Vernon und Petunia, aber als noch Besuch kommt, platzt Harry die Zauberhutschnur. Tante Marge (perfekter Name!) beleidigt seine Eltern und ZACK, Harry bläst sie wie einen Ballon auf - zurecht, aber das sieht das Zaubereinministerium ganz anders und prompt flattert ein Brief in die Wohnung, der verkündet, dass Harry von der Schule suspendiert sei.

Was sich für Kenner wie ein üblicher Tag in der Welt Harry Potters anhört, ist für Laien ein großes Fragezeichen, welches die weiteren fünf Filme der Reihe nicht kleiner wird. Da ich aber mal annehme, dass ihr alle mit der Welt Harry Potters vertraut seid, werde ich direkt ans Eingemachte gehen:

Harry ist also zum Übeltäter mutiert und verlässt wutentbrannt das Haus der Dursleys. Er denkt schon daran, dass er von nun an als Aussätziger durch die Länder streift (SPOILER: was in einem späteren Teil auch noch passieren sollte) und seine Freunde nie wieder sehen würde. Aber weit gefehlt. Einmal schnell "Lumos" gesagt und da taucht schon ein klassischer Doppeldeckerbus auf, der Harry in atemberaubenden Tempo zum Pub "Tropfender Kessel" bringt, der von merkwürdigen Plakaten gesäumt ist: Sirius Black sei aus dem Zaubereigefängnis "Askaban" ausgebrochen.

Wie ihr euch denken könnt, wurde Harry nicht aus der Schule geworfen worden, sondern springt Hals über Kopf in sein nächstes Abenteuer. Viele Neuerungen gibt es im dritten, und meiner Meinung nach besten Teil der Harry Potter-Reihe. Neben den bereits genannten Nachtbus wird zum ersten mal "Askaban" erwähnt, das von fliegenden Monstern, den Dementoren, bewacht werden, die auch prompt im Zug nach Hogwarts erscheinen. Man erkennt, das eben jenes Schloss vom Stil verändert wurde, es gibt weit mehr Hügel und Täler und auch das Gebäude hat sich verändert, der Astronomieturm wird zum ersten mal gezeigt.

Dort im Turm hat Hermine ihre ersten Probleme in der Schule, die ersten beiden Jahre waren ein einziger Klacks für sie. Doch dieses Voraussagen ist einfach nicht ihr Ding, sie kann schließlich nichts auswendig lernen. Der Turm wurde perfekt gestaltet, genauso wie im Buch beschrieben. Ron und Harry machen sich einen Spaß aus der Sache, erfinden allerhand abenteuerliche Prognosen aus den Teeüberresten. Doch Hermine scheint es dann doch nicht so viel auszumachen, sie schmeißt den Kurs (!) und scheint gleichzeitig zur selben Zeit beschäftigt zu sein. WIE IST DAS MÖGLICH?

Das denken sowohl Harry und Ron, als auch der Zuschauer. Denn hier liegt der große Reiz an diesem Teil der Reihe, der schon im Buch sehr interessant eingebaut wurde. Nach einem ersten Höhepunkt geschieht ein beträchtlicher Schnitt, auf den ich natürlich nicht näher eingehen werde. Dies ist als rein cineastisch betrachtetes Stilmittel äußerst reizvoll und passt perfekt in dieses dritte Jahr, Cuarón (der Oscar-Gewinner von "Gravity" und Regisseur meines Lieblingsfilms "Children of Men") schafft es einen tollen Effekt zu erzeugen, der einen unglaublichen Sog - besonders beim ersten sehen - zu schaffen. Dumbledore, du Genie (mehr werde ich nicht dazu sagen).

Es sind wieder einmal Schauspieler der ersten Garde, die neu in die Serie kommen, alles Fanfavoriten. Zum einen Gary Oldman (z.B.Comissioner Gordon in "Dark Knight") als Sirius Black, David Thewlis (Stephen Hawkings Professor "Die Entdeckung der Unendlichkeit) als Remus Lupin und Timothy Spall ("Mr Turner") als Peter "Scabbers" Pettigrew. Sie machen ihre Sache sehr gut und auch unsere drei Helden haben einen Sprung nach vorn gemacht. Vor allem ist Hermine (Emma Watson) in diesem Film besonders durchschlagkräftig - siehe Überschrift.

Die Handlung - bestimmt zu ausführlich von mir beschrieben - ist extrem mitreißend und wird an einem bestimmten Punkt komplett auf den Kopf gestellt, was für ein eindrucksvolles Seherlebnis sorgt. Musik, Ausstattung und Kulissen sind wie gewohnt von erster Güte, wie eigentlich in jedem Teil. Hier müssen die Effekte gelobt werden. Die Dementoren sehen furchteinflößend aus und Cuarón weiß mit der Hilfe seines Kameramanns Michael Seresin ("Planet der Affen: Revolution", "Die Asche meiner Mutter") diese Szene in düstere Bilder zu hüllen - eine Richtung, welche die Serie in den kommenden Film noch weiter vertieft wird.

Aufgrund der Struktur, Atmosphäre und Spannung ist dies bislang der beste Teil der Reihe, vielleicht sogar der insgesamt beste, aber dazu später mehr. Selbst für Neulinge ist dieser Teil sehr reizvoll, platzt er fast vor Ideen, interessanten Figuren und aufregenden Handlungssträngen.


Freitag, 1. August 2014

Before Sunset

You can never replace anyone because everyone is made up of such beatiful specific detail



Richard Linklater, USA, FRA, 2004 - 9.5/10

Dies hier ist der zweite Teil der "Before-Trilogie" (den ersten Teil habe ich HIER besprochen) und wie immer bei einer Fortsetzung gilt auch hier: WER DEN ERSTEN TEIL NICHT GESEHEN HAT, SOLLTE JETZT NICHT WEITERLESEN. Spoiler deluxe.

Okay, haben wir das geklärt. Die Handlung setzt neun Jahre später an. Jesse (Ethan Hawke) hat ein Buch geschrieben, das sehr erfolgreich ist und ist auf Tour durch Europa, um es zu bewerben. Die erste Szene spielt dementsprechend im "Shakespeare and Company" Buchladen in Paris und plötzlich, als er die letzte Frage der Journalistin beantwortet, da steht Celine (Julie Delpy) im Laden. Er ist natürlich sehr verblüfft, die beiden kommen - wie ihr euch gedacht habt - sofort wieder ins Gespräch. Jesse wird noch schnell die Nummer eines Fahrers in die Hand gedrückt, der seine Koffer dabei hat und ihn zum Flughafen bringen wird, denn sein Flieger geht schon etwa zwei Stunden später, wie im ersten Teil also: Ziemlich wenig Zeit, also wird viel geredet. Diesmal schlendern und "une tasse de café"-trinkend in Paris.

Die Dialoge sind dieses mal schlicht und ergreifend sehr viel besser gelungen. Das liegt zum einen daran, dass er zum einen viel von ihrem ersten Treffen handelt und die Ereignisse, die ihnen in den letzten neun Jahren passiert ist - wollten sie sich nicht ein halbes Jahr später nochmal in Wien treffen? Zum anderen, ein noch wichtigerer Punkt: Delpy und Hawke haben, neben Regisseur Linklater, am Skript mitgeschrieben. Diese drei kennen die Charaktere in- und auswendig und so macht es Spaß den beiden lieb gewonnenen Charakteren zuzuhören. Die Sätze scheinen ihnen leichter über die Lippen zu kommen.

Wieder einmal muss auch erwähnt werden, dass Delpy und Hawke eine schauspielerische Meisterleistung abliefern: Es gibt enorm viele Longtakes, die Szene im Taxi dauert zum Beispiel acht Minuten ohne Schnitt und es wurde ununterbrochen gesprochen. Außerdem wurde an jedem Tag (15 Drehtage) immer am späten Nachmittag gedreht, damit das Licht stimmte. Also waren die Schauspieler darauf angewiesen, dass sie die Szenen beim ersten, höchstens zweiten Take richtig machen, ansonsten wäre der Tag schon verloren. Die Mühe zahlt sich aus. Der Film ist sensationell ausgeleuchtet und man will am liebsten die Route der beiden genauso abgehen (was mit 99 prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht klappen kann, denn es wurden einzelne Locations ausgewählt, die aber nicht nebeneinander liegen. Die Crux des Zuschauers).

Ich will natürlich nicht weiter auf die Handlung eingehen, denn die Freude am Wiedersehen der beiden Touristen von vor neun Jahren ist wunderschön anzusehen. Das Ende ist einfach perfekt. So viel sei verraten. Eines der besten, das ich jemals gesehen habe.

Wer den ersten Teil mochte, wird diesen Teil lieben. Ich freue mich bereits, was der dritte Teil bereithält. Seid gespannt. Ich melde mich wieder.

Sonntag, 6. Juli 2014

Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Sand is overrated. It's just tiny little rocks.



Vergiss mein nicht (was für ein lahmer deutscher Titel, deshalb ausnahmsweise den Originaltitel in der Überschrift), Michel Gondry USA 2004 - 9.75/10

In meiner zweiten Folge über Filme aus 2004 geht es um einen der besten (im Grunde streitet er sich nur mit einem anderen um diesen Titel, auf diesen werde ich demnächst eingehen). Ein Film, der so vielfältig aufgebaut ist, dessen Story so komplex, aber dabei ungemein fesselnd, dabei aber auch ergreifend ist und einige Szenen beinhaltet, die zu den besten der letzten zehn Jahren gehört, es kann sogar darüber diskutiert werden, ob es nicht eine der besten Liebesfilme aller Zeiten ist. Wieso ich mit diesen Superlativen hier ankomme, werdet ihr in den nächsten Abschnitten erfahren.

Joel (Jim Carrey!!!) ist ein einsamer Mensch. In der ersten Szene des Films steht er verlassen am Gleis und wartet auf seinen Zug. Er nuschelt sich einen in seinen stoppeligen Bart und macht einen miserablen Eindruck, der graue Himmel verstärkt nur noch diesen Eindruck. Aber tada, im Zug kommt Farbe in sein Leben: Die blau haarige Clementine (Kate Winslet) spricht ihn an. Damit beginnt der Film richtig an Fahrt aufzunehmen. Der Zuschauer sieht im folgendem eine Aneinanderreihung von Szenen, in denen Joel und Clem eine gewöhnliche Beziehung führen. Bis zu dem Tag, als alles anders wird und Joel Clem sieht, wie sie einen anderen Mann küsst. Von diesen Ereignissen schockiert, beschließt er einen radikalen Schritt zu unternehmen und alle Erinnerungen an Clem - mit Hilfe des Lacuna Unternehmens und ihren merkwürdigen Mitarbeitern - löschen zu lassen. Dies gelingt allerdings nicht so ganz...

Ab hier wird der Film einmalig. So viele Ideen sind hier eingebaut worden, dass es eine Freude ist, Gondrys Meisterwerk so of wie möglich zu sehen. Das Drehbuch von Charlie Kaufmann wurde völlig zurecht mit einem Oscar bedacht, es hat eigentlich auch jeden einzelnen Preis in der Kategorie "Bestes Original-Drehbuch" in diesem Jahr gewonnen. Wenn man die Handlung einmal komplett durchschaut hat, dann wird einem deutlich, dass das Ende so unfassbar traurig ist, dann aber auch Hoffnung macht. Die Idee, seine Gedanken an eine Person auslöschen zu können ist faszinierend und man kann sich nach dem Ansehen des Films noch stundenlang Gedanken machen. Gehört der Schmerz einer Trennung dazu, oder kann man ihm entgehen?

Kate Winslet wurde für ihre Performance als beste Hauptdarstellerin bei den Oscars nominiert. Sie macht ihren Job ganz hervorragend, durchlebt alle menschenerdenklichen Emotionen und bleibt dabei unfassbar menschlich, alle Handlungen sind nachvollziehbar, auch wenn es man anfänglich nicht diesen Eindruck hat. Wer mir aber noch besser in seiner Rolle gefällt ist der Spaßvogel Jim Carrey, der hier seine beste Rolle seit Truman in - ihr habt es erraten - "Die Truman Show" gespielt hat. Von anfänglicher Deprimiertheit, über Lebenslust, hin zu wiedermaliger Niedergeschlagenheit, Joel durchlebt eine Achterbahnfahrt der Gefühle (sorry, diese Metapher MUSSTE ich bringen). Carrey hätte alle Preise in diesem Jahr verdient gehabt, seine Performance ist überragend. Insgesamt wäre dieser Film in heutiger Zeit noch viel häufiger nominiert worden als die bereits erwähnten zwei mal. Das Klima in der Academy hat sich auf Bezug zu innovativen Filmen extrem gewandelt ("her" beispielsweise wurde für sechs Preise nominiert).

Ein Extralob gebührt noch Gondry, der es schafft, das verschachtelte Drehbuch in unfassbare Szenen zu fassen. Die beste am Strand möchte ich hier als kleines Schmankerl anheften. Wenn ihr nicht abwarten könnt den ganzen Film zu sehen, schaut euch diesen Ausschnitt an. Die letzte Stunde ist ein einziger Rausch von einfallsreichen Aneinanderreihungen, die von Minute zu Minute faszinierender werden.

Wenn ihr immer noch nicht überzeugt an, fasse ich es hier zusammen: Wenn ihr einen Film über die Liebe schauen wollt, in dem bekannte Schauspieler in ihren besten Rollen in Jahrzehnten zu sehen sind und ihr vor einer anspruchsvollen Geschichte nicht zurückschreckt, dann schaut ihn euch an. "Vergiss mein nicht" ist einer der besten Filme der letzte zehn Jahre.




Donnerstag, 3. Juli 2014

Die Tiefseetaucher

I want you on Team Zissou

The Life Aquatic with Steve Zissou, Wes Anderson, USA 2004. 9.25/10

Willkommen zu einer neuen Reihe, in der ich Filme aus dem Jahr 2004 bespreche, die, ihr habt richtig gerechnet, dieses Jahr zehn Jahre alt werden!! Den Anfang macht ein Film von Wes Anderson, der gar nicht so geliebt wird, wie seine anderen Klassiker.

Sehr viele Kritiker können mit diesem Film nichts anfangen. Er sei zu lang, habe keinen gewohnten Anderson-Humor und das Thema spreche sie auch nicht an. Ich kann all diese Punkte verstehen. Nachdem ich ihn zu ersten mal sah, ging es mir ähnlich. Vor allem im Deutschen kommt keinerlei des Humors und der Absurdität rüber, der diesen Film auszeichnet. Was ich damit meine, werdet ihr in der kommenden Kritik erfahren.

Der Meeresbiologe und Dokumentarfilmer Steve Zissou (Bill Murray) sitzt hinter einem Tisch vor der Leinwand in einem italienischen Kino, auf dem kurz zuvor sein neuester Film Premiere gefeiert hatte. Ein Mitglied der Presse fragt ihn, wieso er den sagenumwobenen Jaguar-Hai umbringen wolle, der seinen alten Freund Esteban auf den Gewissen hatte. Seine Antwort ist eindeutig: RACHE! Kurz darauf schreitet er zur Tat. Mit seiner erfahrenen Crew (unter anderem Willem Dafoe, Waris Ahluwalia und Seu Jorge - der auch für den Soundtrack zuständig ist) bricht er auf, bekommt dabei aber Unterstützung von einem Piloten aus Kentucky (Owen Wilson), einer schwangeren, britischen Reporterin (Cate Blanchett) und einem konkurrierenden Kapitän (Jeff Goldblum). Gelingt es ihm den Hai zu finden, oder auch nur neue exotische Wesen aus dem Meer seinem Publikum näher zu bringen?

Dieser Film ist ein typischer aus dem Hause Wes Anderson. Die Kostümierung und Ausstattung sind wie gewohnt über alle Zweifel erhaben. Der Film schafft es einen eigenen Look zu schaffen, hier sind es blaue Trainingsanzüge mit originalen, passenden Adidas Sneakern und dazu die passende rote Wollmütze, die natürlich - wie der ganze Film - eine Hommage an den legendären französischen Meeresforscher, Dokumentarfilmer und Biologen Jacques Cousteau ist. Dass für den Film eigens ein U-Boot gebaut wurde, ist schlichtweg sensationell. Mit heutiger Technik würde alles am Green-Screen entstehen, aber Anderson war stets jemand, der selbstgemachte Dinge bevorzugt, was man in jeder einzelnen Szene bemerken kann.

Bill Murray liefert hier eine seiner gleichzeitig humorvollsten, aber auch dramatischsten Performances ab. Er schaut in jeder Szene wie der traurigste Mensch auf Erden - kein Wunder, er hat seinen besten Freund verloren - reißt dabei aber einen Witz nach dem nächsten. Der Situationshumor und Dialoge sind erstklassig, ich kann aber auch diejenigen verstehen, die nicht einmal im gesamten Film lachen werden. Diese Form von Absurdität, wie sie im Film dargestellt wird, ist schwer zu beschreiben. Aber wer des Englischen halbwegs mächtig ist, der muss ihn im Original sehen: "Is this my espresso-machine? How did you guys..." - "Well, we fucking stole it, man!" KNALLER!!

Zum Ende wird der Film etwas konfus und wäre auch gut ohne die Extra-Portion Action ausgekommen. Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Ich kann diesen Film nur empfehlen, er kommt zwar nicht an die Klassiker Andersons (Rushmore, Moonrise Kingdom, Royal Tenenbaums) heran, aber man wird zwei Stunden erstklassig unterhalten.



PS: Und wenn ihr jetzt doch noch denken solltet: Der Film interessiert mich so gar nicht, dann tut euch trotzdem einen Gefallen und schaut euch diese Szene hier an. Eine der besten der letzten fünfzehn Jahren, sie packt mich jedes mal, einfach perfekt.


Sonntag, 22. September 2013

Platz 3 - Oscars 2004

Oscars 2004 - "I didn't think it would end this way." - "End? No, the journey doesn't end here."

Top 3 liebe Leute!! Jetzt also die Nummer 3 der Filme der letzten 20 Jahre, die den Oscar als bester Film gewonnen hat.

Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs (The Lord of the Rings - The Return of the King, Peter Jackson) 9.5/10

Da konnte dann selbst die Academy nicht mehr "nein" sagen. Das Ende der epischen Trilogie war zu erfolgreich und die Kritiker waren zu begeistert, als dass sie dieses mal über Auszeichnungen hinwegsehen konnten. Klar, die beiden Vorgänger haben bei den Technikpreisen sehr gut abgeschnitten, doch waren die wichtigsten Oscars stets außer Reichweite geblieben. Der letzte Teil der Serie änderte dies allerdings. Er gewann in allen Kategorien, in denen er nominiert wurde, unter anderem Regie, Schnitt, Drehbuch und Film. Elf Oscars insgesamt, damit nach Ben Hur (1959) und Titanic der dritte Film, dem dies gelang. Was kann ich noch groß zum Film sagen? Einfach sensationell gut gemacht und unglaublich mitreißend. Für Fans der ersten beiden Teile konnte man sich kein besseres Ende ausdenken, und damit meine ich auch buchstäblich das Ende des Films. Es zieht sich ewig hin, doch werden alle Handlungsstränge beendet, genauso wie im Buch. Da kann man sich eigentlich nicht beschweren. Aber ein Buch ist anders als ein Film, deshalb zieht es sich doch enorm, auch manche Szenen sind albern geraten, wie das Surfen von Legolas, den Rücken des Olifanten runter (da wurde die junge Klientel angesprochen). Wer also die vorherigen beiden Teile gesehen hat, also worauf wartet ihr noch? Anschauen, los!

Mystic River (Clint Eastwood) 9/10

Das Wort "Tragik" wird in diesem Film in all seinen Facetten gezeigt. Die Story handelt von einer Bande von drei Jungs aus Boston, die an einem Nachmittag einem Verbrechen zum Opfer fallen. Einer der drei wird von einem Auto mitgenommen und die beiden anderen können nur hilflos hinterher sehen. 30 Jahre später treffen sie wieder aufeinander, als die Tochter Jimmys (Sean Penn) ermordet wurde. Welch ein schwerer Brocken von Film. Alle haben Handelnden haben Probleme zu bewältigen, sowohl die drei Männer, als auch deren Frauen, Familie und Freunde. Die Suche nach dem Schuldigen lässt alle gravierende Entscheidungen treffen und der Zuschauer leidet mit, muss er auch selbst entscheiden, wem er vertrauen kann. Ein Film, den man nicht einfach nebenbei sehen kann, dafür ist das Thema und die Atmosphäre viel zu dunkel für einen netten Abend. Die schauspielerische Leistungen sind überragend, allen voran Sean Penn und Tim Robbins, die völlig zu Recht Oscars dafür gewonnen haben.

Lost In Translation (Sofia Coppola) 9.25/10

Melancholy thy name be Lost In Translation. Scarlett Johannsen spielt Charlotte, eine junge Uni-Absolventin die ihren Ehemann, einen Fotografen, auf ein Shooting nach Tokio begleitet. Sie hat nicht viel zu tun und verbringt ihre Zeit in ihrem Hotelzimmer - wo sie mit einem der besten Anfangsszenen eines Films aller Zeiten eingeführt wird (Männern wird diese Szene noch mehr gefallen). Sie langweilt sich, genauso wie Bob (Bill Murray), ein alternder ehemaliger Hollywood Star, der für eine schnelle Mark einen Whiskey Werbespot dreht, was sich aber als schwierig darstellt, da er kein Japanisch versteht und sein Dolmetscher auch nicht sehr hilfreich ist. Er ist genauso gelangweilt von seinem Leben wie Charlotte von ihrem und so treffen die beiden im Hotel aufeinander und eine Freundschaft entsteht. Was sie zusammen erleben wird hier nicht weiter verraten. Es ist ein sehr schöner Film, die Bilder, Musik und allgemein die Stimmung sind einmalig. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern passt, trotz des Altersunterschied und man kann einfach sehr viel entdecken. Viele werden jetzt sagen: "Aber da passiert doch gar nichts...", muss denn immer etwas passieren? Ist das Leben nicht manchmal so ereignislos wie einsam im Hotelzimmer rumzugammeln?

Master & Commander (Peter Weir) und Seabiscut (Gary Ross) habe ich bislang nicht gesehen.

Richtige Wahl und auch mein persönlicher Sieger: Herr der Ringe 3

Ein weiterer Film des Jahres (das ich für insgesamt schwach halte)

1. Oldboy (Chan-wook Park) 9/10

Welch ein verrückter Film, allein für die Story muss man ihn einmal gesehen haben: Ein Mann wird 20 Jahre in einem Zimmer eingesperrt, plötzlich freigelassen und jetzt sinnt er auf Rache. Was folgt ist eine wilde Reise auf der Suche nach dem Täter, die brutal, verwirrend und nochmal: VERDAMMT BRUTAL ist. Seid also gewarnt. Die Action ist wahnsinnig gut gemacht, auch der Hauptdarsteller spielt unfassbar gut. Die Kulissen allerdings sind wirklich das, was diesen Film so besonders macht. Die Raum allein, in dem Dae-su Oh festgehalten wird ist faszinierend, der Schrank mit den 50 weißen Händen und auch das Wabenmuster des Gebäudes sind einmalig. Wer als Lust auf einen Actionfilm hat, der komplett anders ist, als eure Sehgewohnheiten, dann seid ihr hier richtig. Aber ihr braucht einen starken Magen.

Weitere gute Filme: Elephant (Gus van Sant), Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling (Ki-duk Kim), Das große Rennen von Belleville (Sylvain Chomet)

Die meisten Poster habe ich übrigens von http://fuckyeahmovieposters.tumblr.com/ Die Seite lohnt sich!!

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