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Mittwoch, 18. Februar 2015

Martha Marcy May Marlene



Sean Durkin, USA 2011 - 8.75/10

"You're my favorite... and I won't lose you." sagt Patrick (John Hawkes, Saul Star aus "Deadwood") zu Martha (Elizabeth Olsen). Dies stellt den Höhepunkt in der ungewöhnlichen Beziehung zwischen den beiden dar, denn er ist Sektenführer und sie fühlt sich zu ihm hingezogen, akzeptiert und letztlich zu Dingen animiert, die sie absolut in der endgültigen Konsequenz nicht geplant und gewollt hat. Der Film ist Sean Durkin ist von enormer Wichtigkeit und sollte meiner Meinung nach an jeder Schule weltweit gezeigt wurden, um auf die Gefahren von Sekten aufmerksam zu machen. Denn wenn ein charismatisches Oberhaupt unbedarfte, bisweilen noch schutzbefohlene, junge Menschen in seinen Bann zieht, dann geschehen Dinge, die unbegreiflich erscheinen, aber für die Opfer von ungemeiner Wichtigkeit und ohne Überlegung ausgeführt werden.

Der Film erzählt von Marthas Zeit in Rückblenden, mit dem letztlichen Anruf - einem Hilferuf - bei ihrer Schwester ganz zu Beginn der Erzählung. Dort angekommen, wirkt Martha völlig verstört und braucht lang, bis sie wieder am geregelten Alltag in der kleinen Familie ihrer Schwester Lucy (Sarah Paulson, Mrs. Isringhausen aus der legendären Serie "Deadwood" über die ich unbedingt schreiben muss) und deren Mann Ted (Hugh Dancy) teilnehmen kann. Sie verheimlicht ihr Leben in der Kommune Patricks, aus Angst, dass die anderen Mitglieder erfahren, wo sie sich aufhält, denn sie wird gesucht. Immer wieder denkt sie Leute aus den "Catskill Mountains" zu sehen, aber sind sie es wirklich, oder hat sie traumatische Erscheinungen?

In den Rückblenden wird deutlich, was Martha durchgemacht hat, dass sie aber zunächst gar nicht zum Vorschein bringt. Elizabeth Olsens schauspielerische Leistung kann hier gar nicht hoch genug gelobt werden, dass sie nicht für den Oscar nominiert wurde, kann ich nicht verstehen (John Hawkes hätte auch bedacht werden MÜSSEN). Sie wirkt äußerlich komplett ruhig bis plötzlich alle aufgestaute Emotion in einer wilden Attacke rausgelassen wird. Eine Intensität, die den Zuschauer verstört.

"I'm Martha" - "You look more like a Marcy May to me." So stellt sie sich bei Patrick vor, von dem sie in einen der darauffolgenden Nächten vergewaltigt werden wird - ein Schicksal, das vielen neuen weiblichen Ankömmlingen ergehen wird. Für ihn ist sie egal, er will ihr gleich einen neuen Namen geben und nach seinem Willen formen. Das Lied, das ihr beim Anklicken der Überschrift anhören könnt, von John Hawkes selbst gespielt im Film, handelt ebenso davon. Sie ist nur ein Bild an seiner Wand, eine Trophäe.

"Martha Marcy May Marlene" schafft eine unfassbar dichte Atmosphäre, die viele Höhepunkte hat, aber vor allem eine Szene bei Nacht wird einem auch wegen des dramatischen Endes (sowohl dieser spezifischen, als auch der allerletzten Szene des Films), wird den Zuschauer verfolgen. Eindrucksvolle Bilder tun ihr übriges, ebenso der ruhige Soundtrack, der vor allem die Szenen in der Kommune vorkommt und die bedrückende, aber auch seltsam akzeptierte Situation (ich selbst habe teilweise laut aufgeschrien) seitens der Mitglieder, noch unterstreicht.

Ein wichtiger Film, den wirklich jeder einmal gesehen haben sollte.

Freitag, 28. November 2014

Drive




Nicolas Winding Refn, USA 2011 - 9.25/10

Dieser Film hat den Gold-Standard für den Begriff "cool" in den letzten Jahren gesetzt. Die Story ist viel zu einfach gestrickt, die Charaktere sind nicht voll ausgefüllt, die Liebesgeschichte wirkt teilweise zu aufgesetzt, aber all das ist sowas von egal, denn: Alles an diesem Film wirkt so lässig, mühelos und atmosphärisch, dass man über diese Mängel ohne Probleme hinwegsehen kann. Das schöne ist, dass das Tempo des Films genau richtig ist, im Nachfolger "Only God Forgives" klappt es nicht. Dieser Film sieht zwar immer noch sehr schick aus, aber der Rest wirkt komplett übertrieben und lachhaft. Wieso das nicht bei "Drive" passiert, werde ich in den nächsten Absätzen erklären.

Kommen wir erst einmal zur Handlung: Ein namenloser Fahrer (Ryan Gosling, der danach zum Star wurde) arbeitet bei Tag beim Film für Stunts. Abends - viel interessanter - kann man ihn für illegale Aktivitäten mieten. Mit solch einer Transaktion beginnt der Film. Während zwei Bösewichte einen Laden ausrauben sitzt der Fahrer in seinem Wagen. Natürlich auf dem letzten Drücker kommt der zweite Einbrecher zum Auto zurückgerannt und los geht es durch die Nacht in Los Angeles (das wunderschön festgehalten wurde). Der Fahrer endet letzlich clever im Parkhaus des Staples Centre, genau dann, als ein Spiel der Clippers endet. Er setzt sich die passende Kappe auf und verschwindet in der Masse...

Zeitsprung und wir sehen den Fahrer im Alltag. Er trifft seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) im Supermarkt, mit ihrem Jungen im Schlepptau. Ihr Wagen springt nicht mehr an, aber unser Fahrer ist ebenso Mechaniker. Flux wird der Wagen in die Werkstatt seines Kumpels Shannon (Bryan Cranston) geschafft, dort treffen Fahrer und Shannon auf den gruseligen Mr Rose (Albert Brooks), der in den jungen Mann investieren will: Er soll Fahrer eines Rennwagens werden. Alles scheint gut für ihn zu laufen. Er kommt Irene näher, freundet sich auch mit ihrem Sohn Benicio an, bis plötzlich Irenes Mann Standard (Oscar "Llewyn Davis" Isaac) aus dem Gefängnis freikommt....

Daraufhin geht so ziemlich alles den Bach runter und der Fahrer muss das beschützen, was er zu lieben gelernt hat. Das klingt alles sehr abgedroschen und die Story ist wirklich nicht neu, dafür aber unterhaltsam genug, um nicht zu langweilen. Dafür ist der Film so lässig und cool inszeniert, dass man ihn nicht ausschalten kann. Das Flair wird auch durch den sensationellen Sountrack eingefangen, der an 80er Jahre Klassiker erinnert, Synthies deluxe. Die eingestreuten Actionsequenzen sind extrem mitreissend und genau richtig dosiert, auch wenn manche Zuschauer sich veräppelt fühlten, denn es ist eben kein reiner Actionreißer, sondern intelligentes Kino, das ungemein unterhält. Ein paar Szenen sind äußerst hart geworden, der FSK 18-Sticker ist ohne Zweifel richtig gewählt worden. Es ist keine Gewaltorgie wie der Nachfolger geworden, aber immer noch heftig genug, um Zartbesaitete wegschauen zu lassen.

Gosling ist für diese Rolle geboren worden, er spielt den stillen, selbstbewussten Fahrer mit einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Wer hat in den letzten Jahren einen cooleren Helden gespielt? Es ist dieses Flair, dass die Klasse des Films ausmacht. Man erkennt die Motivation der einzelnen Figuren bei deren ersten Auftritt, aber es ist egal. Die Szenen genießen lautet die Devise. Technisch ist der Film ohne Makel, die Actionsequenzen allein sind das Eintrittsgeld wert und dann sind da noch so viel mehr sensationelle Szenen, die ohne Zweifel an klassischen Noir erinnern, mit Femme Fatale inklusive - hier ist es Sexbombe Christina Hendricks aus "Mad Men".

Wer einen sensationell atmosphärischen Thriller sehen möchte, der mitreißt und unterhält, der ist hier genau richtig.

Freitag, 14. November 2014

Moneyball

There are rich teams and there are poor teams. Then there is fifty feet of crap and THEN there's us.



"Die Kunst zu gewinnen - Moneyball" (deutschter Titel)
Bennett Miller, USA 2011 - 9.25/10 (NUR der Sportteil: 9.5/10)

Diese Kritik wird sehr persönlich werden, denn dieser Film hat mir einen neuen Sport begreiflich gemacht, was bislang so gut wie noch nie vorher passiert ist. Es geht um die "American pastime", dem Baseball. Wenn man bislang gedacht hat: "Ja gut, so spannend ist das jetzt aber nicht", dann kann ich das gut verstehen. Denn eine Partie Baseball in der MLB (Major Baseball League) dauert unbestritten viel zu lang und der Ablauf eines Matches ist für die heutige Konsumgesellschaft um einiges zu langsam (vor allem auch im Vergleich zur NBA, auf den ich noch häufiger zu sprechen kommen werde). Warum dieser Film es trotzdem geschafft hat, die Sportart so interessant zu machen, dass ich mir seitdem teilweise des Nachts den Wecker stelle, um eine bedeutungsvolle Partie anzusehen (am liebsten eine der Chicago Cubs), diese Frage versuche ich in den nächsten Abschnitten zu beantworten.

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass der Film ohne dessen Hauptrolle nicht funktionieren kann. Denn ich wage zu behaupten, wenn einer der Top 5 Schauspieler weltweit der Star des Films ist, dann kann man zumindest mit einem guten Gewinn am box office rechnen. Es war jetzt kein Kassenknüller, aber hat ohne Probleme sein Budget wieder eingespielt. Dies liegt an der Starpower von Brad Pitt, der die Figur des Managers der professionellen Baseballmannschaft Oakland Athletics (in Folge der Kritik "Oakland A's" genannt) spielt. Meiner Meinung nach wird der Film allein durch den Namen "Brad Pitt" auf dem Filmplakat schon einiges an Gewinn gemacht haben. Aber auch ohne ihn, der nebenbei bemerkt, eine seiner besten Performances der letzten Jahre liefert und völlig zurecht für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert wurde.

Genau wie die Figur des Billy Beane, gibt oder gab es alle dargestellten Personen im echten Leben, was dem Film eine spannende Tiefe verleiht. "Basierend auf wahren Ereignissen" ist ein Slogan, der automatisch dafür sorgt. Aber kommen wir zur Handlung: Der Film beginnt im Jahr 2001. Die Oakland A's befinden sich in den Playoffs der Amerikanischen Baseball Liga (MLB) gegen die steinreichen New York Yankees, gegen die sie chancenlos ausscheiden. Drei der besten Spieler der A's werden in der nun folgenden Off-Season den Club verlassen und so steht Beane vor der schweren Aufgabe, einen Kader zu formen, der auch in der kommenden Saison konkurieren kann. In der MLB gibt es keine Gehaltsobergrenze und so haben die reichen Clubs aus den drei großen Städten (New York, Chicago und Los Angeles) automatisch einen Wettbewerbsvorteil. Sein Club hat nur ein sehr geringes Budget und muss deshalb bei den Top Free-Agents (also Spielern, bei denen der Vertrag ausgelaufen ist) meist passen, weil sie andere Gehaltsvorstellungen haben, die nicht mit den anderen Spielern des Clubs übereinstimmen.

Als Beane nun also auf der Suche nach neuen Spielern nach Cleveland zu den Indians reist, werden dessen Trade-Angebote reihenweise abgelehnt. Ein junger, übergewichtiger und dem Augenschein nach gar nicht sportlicher junger Mann namens Peter Brand (Jonah Hill), flüstert dem Manager der Indians seine Meinung ins Ohr. Nach dem gescheiterten Besuch kommen Beane und Brand ins Gespräch. Brand ist ein Wirtschaftswissenschaftler von der Yale Universität. Das besondere an ihm ist, dass er Baseballspieler mit anderen Maßstäben bewertet, als es alteingesessene Scouts jahrzehntelang vorher getan haben. Für seine Methode ist es nur wichtig, ob ein Spieler eine bestimmte Sache gut kann und das reicht ihm schon. Auf diese Weise will Beine Spieler verpflichten, die bei vielen Teams durchs Raster gefallen sind, zum einen ewige Talente, die falsch eingesetzt wurden, oder auch verletzungsanfällige Spieler, an die er aber glaubt und die weniger leisten müssen, nur das machen sollen, was er genau von ihnen will.

Scouts sehen eher das Gesamtbild: Ein Spieler muss am besten zehn Sachen gleichzeitig gut können und dabei noch gut ins "Gesicht des Clubs passen". Hier treten also zwei Philosophien aufeinander. Beane stört das aber im keinsten Fall und prompt engagiert er Berg, der von nun an sein persönlicher Assistent ist. Der neue Stil kommt nicht gut im Club an. Der bereits erwähnte, routinierte (um es mal nett auszudrücken) Scouting staff will gar nichts davon wissen, die erste Teamsitzung ist sensationell. Genauso geht es mit dem Trainer, Art Howe (Philip Seymour Hoffmann, R.I.P.). Er sieht genauso seine festgelegte Reihenfolge, die er in den Spielen vorgesehen hat. Als die Saison immer näher rückt, ist dieses Reizklima immer noch nicht beseitigt und manche neu verpflichtete Spieler machen noch keinen besonders guten Eindruck. Die Saison beginnt prompt mit einer Niederlage...

Es ist nicht einfach in solch einem klassischen Sport wie Baseball neue Methoden zu implementieren. Das lernen Beane und Brand auf die harte Tour. Es ist faszinierend mit anzusehen, wie der Alltag im Profisport aussieht und was für Kämpfe stattfinden. Ich persönlich hatte bislang keine Vorstellung davon, wie schwer es sein könnte, einen Spieler zu entlassen. Diese Szenen sind mit Fingerspitzengefühl gedreht worden, was Regisseur den ganzen Film über macht. Seine Kamera befindet sich zum Großteil im Hintergrund, wird nur ganz selten nah rangeholt. So entsteht zwar eine Distanz, die den Zuschauer aber erlaubt, mit Abstand das Gesamtbild betrachten zu können.

Die Sportszenen sind allesamt phänomenal gut gelungen, die Atmosphäre eines Baseballmatches wird treffend vermittelt, wo der Film aber besonders punktet, ist die Handlung hinter den Kulissen eines professionellen Sportteams. Das Verhältnis der Spieler untereinander im Klubhaus, oder eben die bereits erwähnten Spielerverhandlungen sind in die Handlung integriert. Besonders die Szene, in der die Trade-Deadline kommt, gehört zu den besten des gesamten Films. Die Action, die dort vermittelt wird, ist greifbar und gewährt einen Einblick, die den Fans des Sports (auch der NBA, mit der ich mich bislang primär beschäftigt habe) bislang verwehrt geblieben ist.

Der Trend, Sport mit modernen Methoden zu betrachten, hat heute nicht nur beim Baseball Einzug gehalten, sondern auch in der NBA. Es wird gemessen, von welcher Stelle des Platzes der jeweilige Spieler wirft, oder wie gut er seinen Gegenspieler verteidigt. Wenn man solche Daten analysiert, dann kann man Erfolg haben. Das wussten Berg und Beane damals zu Beginn der neuen Dekade im Baseball. Dieses Umdenken hat heute sehr viel mehr Gewicht, als es damals den Anschein hatte und es ist spannend zu sehen, wie sich diese Bewegung entwickelte.

Der Film ist vor allem für Leute interessant, die sich viel mit amerikanischem Sport auseinander setzen, für den Laien dürfte es sehr schwer werden. Es wird zwar versucht, Begriffe begreifbar zu machen, doch fällt es nicht immer leicht. Um die Situation etwas aufzulockern und die Hintergründe der Hauptfiguren klar zu machen, wurde das Privatleben Billy Beans mit in den Film genommen, hier vor allem seine Zeit mit seiner Tochter, die ihn fast jedes Wochenende besucht. Diese Szenen sind per se nicht schlecht, doch passen sie nicht so recht ins Gesamtbild des Films und nehmen jedes mal einiges an Tempo raus. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Ansonsten habe ich nichts anzumerken. Wer bislang nichts mit Baseball anfangen konnte, könnte nach dem Film genauso zum Fan werden, wie ich es einer geworden bin. "Moneyball" ist einer der besten Sportfilme der letzten zehn Jahre, mit sehr guten Performances von Pitt und vor allem Jonah Hill, der den "Nerd" zur Perfektion spielt. Meine vollste Empfehlung.


Sonntag, 21. September 2014

Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn

What is this peculiar beverage? It has no bouquet, it's completely transparent. - It's water.


"The Adventures of Tintin" Steven Spielberg, USA 2011 - 8.25/10

Als Kind habe ich die Comics von Hergé um den Reporter Tim, seinen treuen Begleiter Struppi und den besoffenen Kapitän Haddock (plus Professor Bienlein und Schulze & Schultze) geliebt. Auch als jetzt Erwachsener (jetzt fühle ich mich alt) halte ich die Comics immer noch für sensationell, aber ich habe mich jahrelang geweigert, obwohl mit sehr viel Liebe zum Detail an dieser aktuellen Umsetzung gearbeitet wurde - sei es nur die für Kenner sehr passende Hinzunahme des Original-Covers des Comics auf einer Häuserwand im Intro des Films - sehen wollte ich diesen Film eigentlich nicht. Denn er sah mir zu klinisch aus, die Figuren waren allesamt zu blass und auch insgesamt war mir der Stil viel zu dunkel. Viele dieser Dinge stören mich auch jetzt noch, nachdem ich den Film doch gesehen habe, aber insgesamt muss ich sagen: Ein sehr unterhaltsamer Film mit einer atemberaubenden Szene, die ich zur besten Action-Sequenz der letzten Jahre erklären könnte.

Reporter Tim findet auf dem Trödel ein altes Modellschiff, das plötzlich heiß begehrt wird: Ein Fremder bietet ihm einen beliebigen Preis für das Sammlerstück, aber Tim lehnt das ab und geht schnell nach Hause. Als er Nachforschungen anstellt und daraufhin zu seiner Wohnung zurückkehrt ist das Schiff gestohlen. Doch wie gut, dass man einen schlauen Hund hat: Struppi findet ein Metalröhrchen, das aus dem Schiff gefallen ist. Dort drin befindet sich ein kleines Pergament, das Tim auf die Spur des eigentlichen, legendären Schiffes bringt: Die Einhorn und dessen versunkenen Schatz. Bösewichte begegnen den beiden auf ihrer Reise, vor allem der hinterlistige Sakharine, der eine Meuterei auf einem Schiff begangen hat, dessen eigentlicher Kapitän ein gewisser Archibald Haddock ist...

Ihr merkt, die Story ist nicht so kompliziert, muss sie aber natürlich auch nicht sein. Ein paar Verwicklungen hier, ein paar falsche Fährten dort, dabei ein hohes Tempo, Spannung und Action, schon hat man einen Fall von Tim und Struppi im Kasten. Dies ist ein Animationsfilm und die Figuren sind alle hervorragend gelungen, für die Technik zeichnet sich das WETA-Studio aus, das schon für die Herr der Ringe und Hobbit auszeichnete. Vielleicht liegt es nur an mir, aber irgendetwas fehlt mir bei den Figuren, sie sehen viel zu steril aus, als seien sie gerade aus der Vitrine als Actiofiguren in diesen Film geworfen, sie glänzen zum Beispiel unnatürlich und sind dermaßen blass. Vielleicht ist das meckern auf hohem Niveau und ihr stört euch absolute nicht dran, denn der Rest ist wirklich außerordentlich gut gestaltet.

Die Landschaften, Gebäude und die Animationen sind sensationell gut. Wenn ihr absolut keine Lust auf diesen Film haben solltet, schaut euch diesen Clip an. Wie gut ist das denn bitte? Das ist eine Actionszene, die mit normalen Schauspielern - und etwas so alltäglichem wie der Schwerkraft - nicht möglich gewesen wäre. In seinen besten Stellen erinnert er an Indiana Jones (noch eine meiner Lieblings-Filmreihen - abgesehen vom schrecklichen vierten Teil) und macht sehr viel Spaß, auch die Dialoge zünden (sogar im Deutschen). Die Gags zwischen Schulze und Schultze sind Slapstick pur, eine gute Auflockerung zwischen den Actionsequenzen.

Leider gibt es eine lange Sequenz auf einem Schiff und obwohl ich verstehe, dass es zwangsläufig der Hergé-Grundlage wegen auf einem Schiff spielen muss, sind diese Minuten viel zu dunkel geraten. Stelle ich mir vor, dass ich auch noch mit einer 3D-Brille im Kino sitzen würde, bei dem es immer automatisch dunkler wird, so würde ich mich sehr ärgern.

Aber sehr viel mehr habe ich nicht an diesem Werk Spielbergs auszusetzen, es hat mich dann doch positiv überrascht. Ein sehr netter Film mit einer guten Portion Action, der euch unterhalten wird, garantiert.


Freitag, 15. August 2014

Take Shelter





Jeff Nichols, 2011 - 9.25/10

Curtis (Michael Shannon) ist ein gewöhnlicher Mann mit einer Frau (Jessica Chastain) und einer jungen Tochter, in einer gewöhnlichen Kleinstadt in Ohio. Er wacht eines nachts schweißgebadet auf, denn er hatte einen Albtraum von apokalyptischen Ausmaßen: Ein öliger Regen fiel vom Himmel und Tornados erschienen am Horizont, ein enormes Gewitter war im Anmarsch. Eine Nacht später träumt er vom selben Unwetter, bei dem auch noch sein Hund durchdreht und ihm in den Arm beißt. Den ganzen Tag über hat er Schmerzen im rechten Arm, die er niemandem erklären kann. So geht es immer weiter, seine Frau bemerkt die Veränderung und auch bei seiner Arbeit reagiert er auffällig. Sein Kollege Dewart (Shea Whigham, den man aus "Boarwalk Empire" kennt) reagiert ebenso verstört, bleibt aber hilfsbereit, auch als Curtis ihm um einen Gefallen bittet: Er hat in seinem Garten den alten Tornado-Bunker aufgeschlossen und will ihn auf Vordermann bringen, denn er ist weiterhin fest davon überzeugt, dass das Unwetter aus seinen Träumen kommen wird.

Ihr merkt, keine leichte Kost, doch ist dieser Film unheimlich faszinierend, was zuvorderst an der Performance von Michael Shannon liegt. Man kennt ihn aus "Revolutionary Road", "Man of Steel" oder auch "Boardwalk Empire". Ich hätte ihn ohne zu zögern für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert, so intensiv sind einige Szenen geworden, dass sie in seiner Art an Joaquin Phoenix in "The Master" erinnern (aber nein, die Academy hat sich in diesem Jahr in "The Artist" verknallt...). Es ist ein Erlebnis ihn bei seiner Arbeit zuzusehen, vor allem bei der Szene in der Kantine ist mir die Kinnlade runtergefallen (wer keine Lust auf den Film hat, der schaue sich trotzdem diese Szene an). Jessica Chastain spielt ebenso herausragend. Sie muss nicht nur einfühlsam mit ihrem Mann umgehen, der immer verrückter zu werden schein, psychisch und physisch, sondern auch ihre Tochter braucht viel von ihrer Aufmerksamkeit, denn diese ist gehörlos. Ihre Tragik ist greifbar in jeder Szene.

Technisch ist der Film extrem gut gelungen. Ich stelle es mir immer schwierig vor in einem Film mit viel Regen zu arbeiten, denn es müssen entweder auf die passenden Tage gewartet oder riesige Maschinen müssen aufgebaut werden. Ich habe mir bislang noch kein Making-of ansehen können ich tippe aber mal auf Variante B. Der Effekt wirkt allerdings und man muss schon etwas Mitleid mit den Beteiligten haben, deren Kleidung in mindestens zehn Szenen komplett durchnässt sind. Die Effekte sind erstklassig und vor allem ist es meiner Ansicht nach der Ton, der hier überzeugt, alles wirkt äußerst realistisch. Ein Lob auch an den Regisseur. Dies ist erst Nichols zweiter Film, ich sage ihm noch eine große Karriere voraus, sein Nachfolger "Mud" mit Matthew McConaughey kam auch sehr gut bei den Kritikern an, ich werde ihn mir bei nächster Gelegenheit ansehen.

Wer einen spannenden Thriller mit einer unfassbaren Performance von Michael Shannon sehen möchte, der ist hier genau richtig. Ich warne euch aber, ihr werdet nach diesem Film erhöhten Respekt vor Unwettern haben.


Sonntag, 3. November 2013

Kill List

They are bad people, they should suffer


Ben Wheatley, 2011 UK - 9/10

Auf diesen Film bin ich gestoßen, weil er überraschenderweise bei British Independent Film Awards gewonnen hat und sich da gegen namhafte Konkurrenz wie "Shame" von Steve McQueen oder auch "Tinker Tailor Soldier Spy" von Tomas Alfredson durchgesetzt hat. Der Trailer sah vielversprechend aus, wer ihn sehen möchte, kann das gerne machen, um ein wenig die Stimmung des Films nachzuempfinden, doch zu häufig würde ich ihn nicht sehen, denn es werden mehrere gute Szenen vorweggenommen. Und was für Szenen das sind, ich muss vorweg sagen, dass die Bilder unfassbar stimmungsvoll gestaltet sind, ein Lob an den Kamerafrau Laurie Rose.

Die Story handelt von zwei ehemaligen britischen Soldaten, Jay (Neil Maskell) und Gal (Michael Smiley), die nach dem Irak-Krieg ihr Geld mit Auftragsmorden verdienen. Auch Jays Frau (MyAnna Buring) war Soldatin und der Zuschauer erfährt sofort, dass sie beiden Streit haben, denn Jay hat seit acht Monaten keinen Auftrag mehr ausgeführt und das Geld wird langsam knapp. Die beiden Killer, die seit langem die engsten Freunde sind, nehmen aber einen neuen Auftrag an von einem merkwürdigen Mann, eine "Kill List", auf der drei Menschen stehen.

Was sie dann allerdings erleben, wird natürlich nicht verraten, aber ich muss eine Warnung vorabschicken: Wem schnell schlecht wird bei brutalen Szenen, für den ist dieser Film nichts, denn an mehreren Stellen ist die Brutalität wirklich heftig und erinnert in seiner Unmittelbarkeit an "Drive" von Nicolas Winding Refn. Ich muss den Film mit Sicherheit noch mehrere mal sehen, denn das Ende muss man nach und nach entschlüsseln, denn es passt scheinbar nicht zum vorher gezeigten, was unfassbar düster und spannend ist.

So bleibt es erst einmal bei der 9/10, was den Film aber auf keiner Weise kritisieren soll, denn es ist ein unfassbar unterhaltsamer kleiner Schocker, einer der besten der letzten Zeit, der auch wegen seiner relativ kurzen Laufzeit von neunzig Minuten überzeugt, denn keine Minute wirkt überflüssig. Die Chemie zwischen allen Figuren passt perfekt, besonders wirken die beiden Hauptdarsteller so, als wären sie tatsächlich befreundet. Im Original bieten sich englische Untertitel an, denn der Akzent um Sheffield ist teilweise schwierig zu verstehen.

Wer also an diesen recht unbekannten britischen Horror-Thriller kommt, der wird seine Freude haben, ich war begeistert.

Freitag, 11. Oktober 2013

Verblendung (2011)

Can I call you Lisbeth?



The Girl With The Dragon Tattoo, David Fincher, 2011 - 9.5/10

Die wichtigste Frage zu diesem Film lautet: War ein Remake wirklich notwendig? Denn das schwedische Original von 2009 ist echt gut. Nach dem fünften mal, dass ich den Film gesehen habe kann ich sagen: Ja, das Remake war notwendig, denn es brauchte einen Meister-Regisseur von der Klasse eines David Fincher, um alles aus dem Material herauszuholen. Das Buch von Stieg Larsson ist hochgradig komplex und einige Teile mussten herausgenommen werden, doch was übrig geblieben ist, zählt zu den besten Thrillern der letzten Jahre. Was mir besonders gefallen hat, werdet ihr in den nächsten Punkten sehen. Doch eins vorab: Zartbesaitete sollten gewarnt sein, denn es gibt mehrere heftige Szenen, wer damit aber umgehen kann, erlebt einen sensationellen Film.

Positiv:

  • Die Atmosphäre ist unfassbar dicht und macht diesen Film erst so einmalig. Mickael erreicht die Insel im dichtesten Schneetreiben aller Zeiten, man kann die kälte regelrecht spüren, die sowohl die Natur, als auch die Menschen ausströmen (außer Hendrik, der gutmütige Patriarch). Dadurch vergeht die Zeit wie im Flug und man bemerkt gar nicht, dass der Film über zwei Stunden geht.
  • Rooney Mara als Lisbeth Salander spielt überragend. Bereits aus dem Buch und dem Original-Film wusste man ja bereits, dass sie der eigentliche Star der Handlung ist und Mara überzeugt in allen Belangen: Sie stellt Lisbeth als Einzelgängerin dar, mit all ihren Problemen und den damit verbundenen Schutzwall, den sie um sich erzeugt hat. Eine Figur, die man so schnell nicht wieder vergessen kann.
  • Die technische Seite des Films ist exzellent gestaltet worden. Sowohl das Setting, die Ausstattung (hier auch besonders in den Rückblenden in die 1960er Jahre), als auch die Kameraarbeit sind überragend. Ich habe einige der beste Bilder auf meinem tumblr hochgeladen. Wenn man sich vorstellt, dass alle Akten, die Lisbeth im Archiv sichtet, eigens für den Film produziert werden mussten, dann ist das Maß der investierten Arbeit nicht hoch genug einzuschätzen.
Negativ:
  • Das letzte Viertel des Films zieht sich sehr in die Länge. Wieso das so ist, werde ich hier nicht weiter erläutern, da würde ich zu viel verraten. Man muss auch extrem aufpassen und sich schnell an schwedische Namen gewöhnen, sonst kann man recht früh den Überblick verlieren.
  • Daniel Craig als Mickael Blomkvist passt nicht so recht ins Bild. Man hat da fast immer James Bond vor Augen und auch hier erscheint er natürlich durchtrainiert. Im Buch wird er nicht als Sportfreak beschrieben und auch im Originalfilm wurde er von einem etwas rundlicheren Schauspieler dargestellt (Michael Nyqvist). Nichts gegen Craig, denn er spielt seine Rolle ausgezeichnet, doch er ist einfach Bond und nicht Mickel.
Fazit: Wer sich komplett von einer Handlung einnehmen lassen und um sich herum alles vergessen kann, dabei auch noch einen wahnsinnig spannenden Film erleben will, ist hier komplett richtig. 

Sonntag, 6. Oktober 2013

Captain America: The First Avenger

Oh Captain, mein Captain!!


Joe Johnston, 2011 - 8.25/10

Manchmal gibt es einen Film, von dem man absolut keine Erwartungen hatte und man danach positiv überrascht wurde. Dies ist einer davon. Ich habe ihn mir letztes Jahr als "Vorbereitung" zum Avengers Film angesehen und dachte vorher: Mein Gott, wie bescheuert ist das denn?? Und einige werden das auch sagen nachdem sie diesen Film gesehen haben. Doch ist das hier ein Comic-Film im wahrsten Sinne des Wortes, der, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt, einfach einen riesen Spaß macht.

Positiv:

  • Sehr einfache Story ohne viel Schnickschnack: Ein Bösewicht will die Erde erobern, er sieht dabei auch noch bescheuert aus und hat eine herrlich dumm Armee um sich gescharrt. B-Film GOLD!!
  • Der Captain kann einem ja nur sympathisch sein. Sein Aufstieg vom schmächtigen Niemand zum amerikanischen Kriegshelden ist mitreißend inszeniert und eine der Geschichten des Comics. Man mag von der Figur halten was man will, hat sie doch keine übermenschlichen Kräfte, aber gerade das macht sie für mich jedenfalls zu eine der besten.
  • Man leidet an einer Stelle richtig mit. Sowas kommt in einfachen Actionfilmen äußerst selten vor.
  • Der Film nimmt sich nie zu ernst. Klar, es werden Menschen gerettet und es kommen auch ein paar um, aber es ist nicht so, dass der Captain jetzt plötzlich der Über-Held wird, den kleine Kinder anhimmeln, der aber in der Gesellschaft nicht überleben kann (das große Problem von "Man of Steel"). Es ist eher so, dass er der rechte Mann zur rechten Zeit ist (es ist auch schließlich Krieg) und er erledigt einfach seinen Job, keine Welt-verändernde Story im Hintergrund.
  • Technisch ist der Film sehr gut gemacht. Er fühlt sich sogar nach den 40er Jahren an, neben der Ausstattung sind es vor allem die Kulissen (wie beim Jahrmarkt zu Beginn) und Kostüme, die zu überzeugen wissen.
Negativ:

  • Der Film ist teilweise echt bescheuert. Manche Handlungsstränge ergeben keinen Sinn und der Bösewicht trägt so dick auf, dass man sich fragt, wie er eigentlich an die Macht gekommen sein konnte, bei seinem albernen Gesicht? Oder sind das alles Roboter, die er da anführt? Zumindest sind sie alle sehr gleichförmig. 
  • Man hat den Film danach sehr schnell wieder vergessen - was häufig bei Filmen mit Superhelden der Fall ist - denn ein Held wird eingeführt, begegnet den Bösewichten, wird kurzfristig aufgehalten und rettet letztlich doch die Welt. So wird es auch noch in 100 Jahren sein. Wer also eine große, komplexe Handlung erwartet, wird hier falsch sein.
  • Komisch, dass der Captain von Beginn an seine neue Power gleich gut beherrscht. Lernen? Nein danke. Er springt auch wie im Bild oben zu sehen, einfach mal so mir nichts, dir nichts in den Kampf mit so einer kleinen Pistole, kein Thema. 
Fazit: Wer einen schnellen Actionfilm sehen möchte ist hier richtig. Erwartet nicht viel und einfach nicht alle Aspekte hinterfragen, dann kann man sich extrem gut amüsieren.

Mittwoch, 28. August 2013

Platz 15 - Oscars 2011

Oscars 2011 - Ich fühle mich heute so englisch

The King's Speech (Tom Hooper, 2010) 7/10

Wahre Geschichte, ein harter Weg, um an die Spitze zu kommen, das Überwinden von persönlichen Schwierigkeiten, all dies und noch mehr ist in Hoppers Film beinhaltet, der von Bertie handelt. Das ist der Spitzname von König George VI., der zur Zeit des zweiten Weltkriegs ungewollt an die Macht kam und unter einer hartnäckigen Sprachstörung leidet. Er lernt einen ungewöhnlichen Therapeuten kennen und die beiden arbeiten an seinem Sprachvermögen und damit verbunden auch an seinem Selbstvertrauen. Ein netter Film, der beim ersten mal am meisten überzeugt hat. Die Struktur ist schnell durchschaubar und er lädt nicht gerade ein ihn sich noch einmal anzusehen. Das soll jetzt nicht heißen, dass der Film schlecht ist. Die Schauspieler sind alle exzellent, allen voran Colin Firth, als stotternder Monarch und Geoffrey Rush als sein Therapeut.

Auch in dieser Saison gab es wieder viele Nominierte für den besten Film, diesmal wurde das ganze Kontingent von zehn Filmen ausgenutzt.

Black Swan (Darren Aronofsky) 8/10

Genauso klar wie der Gewinn von Colin Firh, war dann auch die letztendlich siegreiche Performance von Natalie Portman als Ballerina Nina aus einem New Yorker Ensemble, die für die Rolle des weißes und schwarzen Schwanes in Tchaykovskis Klassiker Schwanensee gecastet wurde. Sie hat, auch durch ihre Mutter beeinflusst, viele Probleme zu bewältigen. Von vornherein besitzt sie eher die Eigenschaften eines braven Mädchens - der weiße Schwan, aber die dunklen Seiten beginnen überhand zu gewinnen, was auch den Einfluss von Lily geschuldet ist, die all das ist, was sie nicht hat. Ein faszinierender Film, der jedoch nicht an die Meisterwerke Aranofskys heranreicht. Er ist nichts für schwache Nerven, einige Szenen brennen sich regelrecht in das Bewusstsein ein. Etwas enttäuscht war ich aber doch von der Kamera, eines der herausragenden Merkmale seiner vorherigen Filme. Natürlich ist hier ein ganz realistischer Stil gefragt, doch weiß mich dieser Stil nicht recht zu begeistern und insgesamt lässt mich die Story doch sehr kalt zurück. 


Inception (Christopher Nolan) 9/10

Um die Handlung von Iception schlüssig zu beschreiben, müsste ich einen eigenen Eintrag nur für diesen Film machen. Es geht im großen und ganzen um eine Bande von Leuten, die in Träume einsteigen können und dort Ideen hinterlassen, also wenn der "Kunde" aufwacht denkt er sich dann: "Ach jo, das wollte ich ja schon immer so machen..." oder so ähnlich. Klingt wie ein Film mit einem Psychotherapeuten in der Hauptrolle, ist aber einer der faszinierendsten Actionfilme der letzten Jahre. Wahnsinnige Effekte und eine so wirre Story, dass man schon wieder anfängt über sie nachzudenken, zu akzeptieren und wie die Figuren, in ihr zu versinken. Keiner der Schauspieler springt heraus, besonders muss ich aber auf Tom Hardy hinweisen, der sich hier für größere Rollen empfohlen hat, die in den nachfolgenden Jahren auch kamen. Und das Ende, Leute... ihr werdet nicht enttäuscht werden. 

True Grit (Joel & Ethan Coen) 8.75/10

Der erste Western der Coen Brüder und er ist genauso wie man ihn erwartet hat. Coole Typen mit flotten Sprüchen, eine actionreiche Handlung und viele Wendungen gehören einfach dazu und auch hier werden alle Wünsche erfüllt. Die junge Mattie Ross will ihren Vater rächen und nutzt dazu die Hilfe vom alten, versoffenen Ranger Rooster Cogburn (was für Namen!). Was folgt ist ein klassischer Western, der auf voller Linie zu überzeugen weiß. Hier und da hätte er gekürzt werden können, die Handlung zieht sich an ein paar wenigen Stellen, doch ansonsten gibt es nicht viel zu meckern. Die Schauspieler, allen voran Jeff Bridges, spielen ausgezeichnet, auch die junge Hailee Steinfeld, die als nächstes als Julia in, ihr habt's erraten, Romeo und Julia zu sehen ist. Der Film hat übrigens einen der eindrucksvollsten Szenen gleich zu Beginn des Films, wie ihr oben sehen könnt.

The Social Network (David Fincher) 9.5/10

Hier haben wir es mit einem der wichtigsten Filme der letzten zehn Jahre zu tun. Egal wie ihr über facebook denkt, dieser Film ist das Spiegelbild einer ganzen Generation, sinnbildlich in einem Programm gefasst, ohne das heutige Kommunikation gar nicht mehr möglich wäre. Der Film hat keinen einzigen Sympathieträger, alle Figuren sind so belastet, dass man ihnen gönnt, wie sie zu Grunde gehen. Diese Emotion habe ich selten in Filmen erlebt, doch lässt sich hier erkennen, wie Macht und Ruhm jede Person zum Negativen verändern kann. Die Machart des Films ist unglaublich. Es wird ein Schwung erzeugt, dem man sich nur schwer entziehen kann und will einfach wissen, wie es weiter geht, auch wenn man die Charaktere im innersten verabscheut. Die Schauspieler sind außerordentlich, die Drehorte exzellent ausgewählt, die Musik einmalig und insgesamt müsst ihr diesen Film mindestens einmal gesehen haben, keine Frage. Demnächst mehr.

Winter's Bone (Debra Granik) 8.75/10

Mit ihrer Rolle in diesem Film wurde Jennifer Lawrence bekannt und heute wissen wir ja, wohin das geführt hat, meiner Meinung nach ist sie einer der besten Schauspielerinnen im Moment. Wir befinden uns im armen ländlichen Missouri, wo die Einwohner, um ihrer Armut zu entkommen, kriminell werden und teilweise auch Meth selbst herstellen. Ree ist auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater. Ihr Geld geht zur Neige und sie muss als 17-Jährige durch unwirtliches Land streifen und mit unmöglichen Leuten in Kontakt treten, um mehr Informationen zu bekommen. Die Ozark Mountains wurden bislang selten in Filmen dargestellt und man fühlt einfach, wie hart das Leben dort sein muss. Lawrence spielt grandios. Ich hätte ihr damals schon den Oscar überreichen wollen, aber ich bin kein Mitglied der Academy und ein paar Jahre später sollte sich der Wunsch noch erfüllen (wozu ich natürlich noch schreiben werde, keine Sorge, liebe Leser). Es ist kein einfacher Film für einen gemütlichen Abend, doch lohnt er sich ungemein, allein nur um einen Eindruck zu bekommen, wie manche Menschen im Midwest leben, daher solltet ihr ihn auch unbedingt im Original anschauen, Akzent deluxe.

Nicht gesehen habe ich: 127 Stunden (127 Hours, Danny Boyle), The Fighter (David O. Russel) und The Kids Are Allright (Lisa Cholodenko).

Toy Story 3 (Lee Unkrich) habe ich im Kino gesehen, aber danach nicht noch einmal, also ist keine Bewertung möglich, sie würde sehr hoch ausfallen, ich war ein emotionales Wrack an einer bestimmten Stelle, diejenigen, die ihn gesehen haben, wissen an welcher.

Besserer Gewinner: The Social Network

Mein persönlicher Gewinner: The Social Network

Top 3 der übrigen Filme des Jahres

1. The Town (Ben "Batman" Affleck) 8.75/10

Wenn ihr einen old-school Actionfilm sehen wollt, bei dem ihr alles geboten bekommt, was ihr euch gewünscht habt, sucht nicht weiter, nehmt diesen. Auch wenn ihr schon viele Filme mit Überfällen kennt, dieser weiß doch zu überraschen und zu unterhalten. Dies ist der Film, in dem Bruce Willis die Hauptrolle hätte spielen sollen und die ihn zurück an die Spitze der Actionriege hätte führen müssen. Pech für Bruce, Glück für uns, denn dieser Film ist einfach nur geil.

2. Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (Edgar Wright) 8.5/10

DAS ist mal eine Comicverfilmung. Kein pseudo-realistischer Bullshit (ja, ich meine dich, Man of Steel), sondern einfach eine witzige Geschichte, die mit allen Tricks arbeitet, die man in den Comics auch findet und sich einen Dreck um Konventionen oder Realität schert (deshalb mag ich auch Captain America, mehr bald hier im Blog). Scott findet seine große Liebe, findet sie - Ramona Powers - doch muss erst, bevor er sie erobern kann, ihre 7 Exfreunde eliminieren. Klingt bescheuert, ist es auch und das ist auch gut so. Wer sich einfach nur unterhalten lassen will an einem gemütlichen Abend, legt diesen Film ein und wer sich etwas mit Popkultur auskennt, um so besser, mehr Lacher für dich.

3. Senna (Asif Kapadia) 8.5/10

Ich bin als Kind mit der Formel 1 aufgewachsen und eine meiner ersten Erinnerungen daran war der tödliche von Ayrton Senna im Jahr 1994 in Monza. Hier wird sein viel zu kurzes Leben eindrucksvoll und emotional dargestellt. Von seinen anfänglichen Tagen bis zu seinem tragischen Unfall. Fans sehen alle bekannten Gesichter der Szene wieder und werden begeistern sein. Dass diese Dokumentation nicht für den Oscar nominiert wurde, ist ein Skandal.






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