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Samstag, 6. Juni 2015

L.A. Confidential

Hush, hush!



Curtis Hanson, 1997 USA - 10/10

Ladies und Gentlemen, wir haben es hier mit einem GOLD-Standard im Thriller-Genre zu tun. Es ist nicht nur so, dass eine unfassbar vielschichtige Story dem Zuschauer vorgesetzt wird, die man um ehrlich zu sein, erst beim dritten sehen vollständig begreifen kann, es ist vor allem die Atmosphäre, die in Hansons Meisterstück in einem Los Angeles, abseits des American Dreams, erschaffen wurde. Der Film basiert auf der einflussreichen Roman-Vorlage von James Ellroy von 1990, die sich auf den berühmten, tatsächlich geschehenem Night Owl-Mord 1953.

Der Film spielt im Jahre 1953 und verfolgt drei ganz unterschiedliche Polizisten, die alle drei verschiedene Methoden haben, um ihre Arbeit erfolgreich auszuführen. Zunächst ist da Ed Exley (Guy Pearce), der seinem Vater als ehrenhafter Cop nacheifern will und auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschreckt, um seine Integrität zu bewahren. Eine dieser Taten ist sein Eingreifen am Abend der Polizei-Weihnachtsfeier, die außer Kontrolle gerät.

Wie jeder weiß, braucht man zu einer ordentlichen Weihnachtsfeier, und sei es die des örtlichen Polizeipräsidiums, eine gute Portion Alkohol. Für die Lieferung ist Wendell "Bud" White (Russel Crowe) zuständig. Im Gegensatz zu Exley ist er eher aus einem groben Holzpflock geschnitzt. Er schlägt gegebenenfalls zu, wenn es die Situation verlangt, was seinem Vorgesetzten Dudley Smith (James Cromwell) natürlich gefällt, denn so ist er in jeder Situation einsetzbar. Aber zurück in den "liquor store", bei dem dieser so harte, stählerne Mann auf eine bildhübsche Frau trifft: Lynn Bracken (Kim Basinger, die für diese Rolle mit dem Oscar wurde), die Bud den Atem raubt und eine sehr interessante Rolle in der Geschichte zu spielen hat.


Der dritte im Bunde ist der Star der Bande: Jack Vincennes (Kevin Spacey) ist neben seiner Tätigkeit im Büro als Berater bei der TV-Show "Badge of Honor" tätig, er ist dementsprechend ein bekannter Mensch in Hollywood und er kostet dies vollends aus. In der ersten Szene des Films lässt er einen Nachwuchsschauspieler hochgehen, der seine Nase in zu viel weißes Puder gesteckt hat. Den Tipp hat er vom Verleger Sid Hudgens vom "Hush-Hush-Magazine", das allerhand Skandale der Schönen und Reichen aus der Traumfabrik ans Tageslicht gefördert hat.

Vincennes ist an jenem Abend der Weihnachtsfeier zugegen, bei der es zu wild zur Sache geht. Es gibt einige Konsequenzen und als Folge dessen müssen die drei angesprochenen Kommissare zusammenarbeiten. Mehre Wochen später werden sie des Nachts zu einem Restaurant in Los Angeles gerufen: Im "Nite Owl" gab es eine Schießerei. Was darauf folgt wird hier nicht weiter beschrieben, nur soviel, dass etliche Personen darin involviert sind, mehrere Polizisten zu Helden aufsteigen und die Drahtzieher weit mehr Macht besitzen, als man es sich vorher gedacht hätte. Und was hat die Edel-Prostituierte Lynn Bracken mit alledem zu tun? Exley, White und Vincennes, bitte übernehmen sie!

Was sich nach einer überaus komplexen Handlung anhört, ist genau diese: Wie bereits im Eröffnungsabschnitt angesprochen, ist dies kein einfach gestrickter Film, sondern einer, der mehrmaliges Sehen belohnt. Dafür sind alle Figuren überaus nuanciert, kein einziger Charakter ist ganz Klischee-beladen (auch wenn man dies oftmals zunächst annehmen möchte). Das macht den besonderen Reiz dieses Neo-Noir Klassikers aus. Es sind die Figuren, die den Film prägen, neben der wendungsreichen Handlung.

Hanson gelingt es eine Ära auferstehen zu lassen. Das Hollywood der 1950er Jahre bietet dafür die ideale Bild- und Spielfläche. Es sind nicht nur die Kostüme, Kulissen und die perfekt gewählte Musik, die einen wie in ein Bilderbuch eintauchen lassen. Der "American Dream", den jeder einzelne Mensch als Konzept vor Augen hat, wird auf den Kopf gestellt, was sich durch die Brutalität der "Nite-Owl"-Morde manifestiert. Drei unterschiedliche Figuren versuchen den Fall zu lösen und dringen in eine Unterwelt ein, die von Korruption, Lügen und Prostitution gekennzeichnet ist und den Zuschauer in seinen Bann zieht.

Ich liebe diesen Film so sehr, weil er in solch einem Ausmaß um einiges vielschichtiger ist, als heutige Standard-Thriller-Kost. Alle, die sich auch nur im entferntesten für das Genre des Polizeifilms interessieren, müssen dieses Meisterwerk sehen. Häufigen "Tatort"-Zuschauern wird ein ganz neues Level dargeboten, das man im Fernsehen so nie sehen kann.

Wäre 1997 nicht solch ein kleiner Film wie "Titanic" in die Kinos gekommen, "LA Confidential" hätte bei den Oscars um einiges mehr abgeräumt. So blieb es leider bei einem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch und einem für Kim Basinger, als beste weibliche Nebenrolle. Ich hätte ihn in allen wichtigen Kategorien gewinnen lassen. Ein Meisterstück der Thriller-Kunst, bei dem sich so viele heutige Filme ein großes Stück abschneiden können.



Freitag, 17. Oktober 2014

Hercules

Look, that's Phil's boy!



Ron Clements & John Musker, USA 1997 - 8.5/10 (als Kind mindestens noch ein Punkt mehr)

Habt ihr auch solche Filme, die euch komplett an eure Kindheit erinnern? Dieser hier ist so einer von mir, vielleicht sogar derjenige, der es am besten vermag dieses Gefühl der Nostalgie wieder aufleben zu lassen. Diesen Disneyfilm habe ich damals selbstverständlich im Kino gesehen, aber erst ein halbes Jahr später (schätzungsweise zu Weihnachten) mit meinem Bruder geschätzte 20 mal auf Videokassette angeschaut. Und warum auch nicht? Dieser Film hat eigentlich alles, was man von einem Zeichentrickfilm haben will. Was das ist, werdet ihr in den kommenden Abschnitten erfahren.

Der Herrscher der Unterwelt, Hades (der immer einen flotten Spruch drauf hat, was ich heute noch mehr schätze als damals mit zehn), will der Oberherrscher werden, also Zeus und die restlichen Götter vom Olymp werfen. Die drei Schicksalsgöttinnen prophezeien ihm, dass sein Plan in Erfüllung gehen wird, aber er wird letztlich vom Sohn Zeus und Heras aufgehalten: Hercules. Der Film beginnt bei dessen Geburt, also Götter feiern eine große Party und es wird schon klar, dass der kleine Wonneproppen eine enorme Kraft an den Tag legt. Onkel Hades sieht dies auch und beschließt, den Stöpsel sterblich zu machen. Seine beiden Lakaien Pech und Schwefel entführen ihn und geben ihn, nach dem Flug vom Olymp runter zur Erde, eine Flasche mit Gift, dass ihn komplett menschlich macht. Dies misslingt allerdings, ein Tropfen bleibt übrig und Hercules behält seine übermenschlichen Kräfte (Hallo, Superman!). Die beiden Unterwelt-Helferlein verheimlichen ihrem Chef die fehlgeschlagene Tat und Hercules ist plötzlich menschlich.

So bleibt Herc ein Aussenseiter, weiß mit seinen Kräften nicht so richtig was anzustellen, zerlegt auch schon mal die ein oder andere Markthalle, bis ihm seine (Adoptiv-)Eltern berichten, dass er gar nicht ihr Sohn sei. Tja, Hercules hat sich schon so etwas gedacht und nach einem emotionalen Abschied macht er sich auf den Weg zu Zeus' Tempel. Dort angekommen betet er zum mächtigen Gott, der wie vom Blitz getroffen (pun inteded) zu Leben erweckt und es kaum fassen kann, seinen nun gewachsenen Sohn endlich wieder zu sehen. Um wieder bei seiner Familie zu sein muss Hercules ein wahrer Held werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, kommen zwei sehr lustige Sidekicks ins Spiel. Zum einen Hercules' treuer Begleiter, das fliegende Pferd ("with the brains of a bird") Pegasus, sein großer Kumpel von seiner kurzen Zeit auf dem Olymp; zum anderen der Satyr (halb Mensch, halb Ziege) Philoktetes, der von diesem Moment an Hercules zum Helden trainiert - er hat vorher mit solchen Rookies wie Jason, Odysseus und Achilles (DIESE VERDAMMTE FERSE) trainiert, aber jeder ist gescheitert. Hercules jedoch ist aus einem scheinbar anderen Holz geschnitzt (göttliches Blut?) und so machen sie sich auf die Reise durch Griechenland, um Heldentaten zu vollbringen. Auf dem Weg treffen sie auf eine gewissen Meg, die unserem jungen Herc den Kopf verdreht...

Was darauf folgt, wird hier nicht weiter erwähnt, aber die Action, die scheinbar vorher gefehlt hat, wird in der nächsten Stunde ohne Zweifel würdig aufgeholt. Der Kampf gegen die Hydra fand ich damals schon spektakulär und vierzehn Jahre später ist sie immer noch sehr mitreißend und dynamisch inszeniert. Die Liebesgeschichte zwischen Meg und Herc entwickelt sich ebenso langsam aber stetig und wirkt auch nicht aufgesetzt - ein Problem, was seeeeeehr viele Zeichentrickfilme (oder manche Filme generell) haben. Die Sidekicks sind immer wieder für einen Gag gut - selbst Pech & Schwefel, die am Anfang nur für Witze, die kleine Kinder gut finden können (in den Hintern gestochen zu werden), zuständig sind: "Hey mister, call IX,I,I" (get it?)

Hercules' Jugendzeit wird viel zu kurz abgehandelt und auch die ansonsten sensationelle Montage über seine Heldentaten, nach seinem Triumph über die Hydra, hätte meiner Meinung nach noch ausgeweitet werden können. Die Götter im Olymp sind ebenso viel zu wenig ausgebaut. Diese Probleme löst eine Disney Fernsehserie, die auf den Film folgte, doch wirkt hier vieles zu kurz angeschnitten. Aber sonst habe ich kaum etwa auszusetzen, selbst die immer wieder vorkommenden Songs sind gut gewählt worden. Kein Song wirkt überflüssig, was in manch anderem Film für Probleme sorgt (Hallo, "Frozen"!).

Wer also mal wieder in Erinnerungen schwelgen will - vielleicht klappt dies bei euch besser bei anderen Filmen aus dem Hause Disney - der ist hier genau richtig. Auch vierzehn Jahre später macht dieser Film noch sehr viel Spaß. Im englischen Original entdeckt man zudem noch sehr viele Gags, die in der Übersetzung verloren gegangen sind.

Samstag, 24. August 2013

Platz 18 - Oscars 1997

Oscars 1997 - Ist das romantisch, aber dann auch wieder nicht

Der englische Patient (The English Patient, Anthony Minghella, 1996) 6.5/10

In meinem letzten Post meinte ich ja, dass manche Filme zur Überlänge neigen und sie besser dran wären, wenn sie etwas stringenter vorangehen würden. Hier haben wir es mit dem Musterbeispiel Nummer eins mit goldenem Sternchen zu tun. Erzählt wird die Geschichte von eine ungarischen Grafen, der am Ende des Zweiten Weltkriegs über der Sahara in seinem Flugzeug abgeschossen wurde. Auf seinem Totenbett berichtet er von seinen Erlebnissen. 
Das ist alles hochinteressant und die Liebesgeschichte, die sich laaaaaaaaaaaaaaaaangsam entwickelt geht echt ans Herz, aber wie das so oft ist bei Geschichten, die in Rückblenden erzählt werden, hätte man gut und gerne einige Episoden kürzen oder komplett rausnehmen können, der Film zieht sich enorm. Die Bilder sind aber sehr schön anzusehen, die Story ergreifend und die Schauspieler bis in die Nebenrolle (Juliette Binoche, Willem Defoe) exzellent besetzt.

Fargo (Joel & Ethan Coen) 9.5/10

Der erste Film der Coens, den ich gesehen habe und immer noch einer ihrer besten (True Grit, No Country For Old Men, The Big LebowskiInside Llewyn Davis). Die Figuren sind alle dermaßen verrückt, gespielt von allen coolen Nebendarstellern, die man sich vorstellen kann. William H. Macy, Peter Stormare, Frances McDormand und der allgemein bekannt coolste Typ überhaupt: Steve Buscemi. Eigentlicher Star des Films ist aber der Handlungsort. Das Wort "Provinzkaff" trifft es kaum, was Fargo in North Dakota im tiefsten Winter darstellt. Ich will auch gar nicht mehr verraten; nur so viel, dass es für alle Charaktere abwärts geht im Verlauf des Films und nur eine einzige Figur Ordnung in den Tumult bringen kann. Ihr müsst die Originalversion schauen, allein um zum ersten mal in den Kontakt mit nordamerikanischem Englisch zu kommen, hier aus der Region Minnesota ("Jaaaaaa...") und eben North Dakota. Willkommen im Nirgendwo. Ein Traum.

Die anderen für den besten Film nominierten Filme waren:

Jerry Maguire (Cameron Crowe) - Einmal im Fernsehen gesehen, fand ihn gut, demnächst mehr

Lügen und Geheimnisse (Secrets & Lies, Mike Leigh)
Shine (Scott Hicks)                                      
Beide nicht gesehen, daher muss eine Bewertung entfallen

Besserer Gewinner: Fargo

Mein persönlicher Gewinner: Fargo

Andere guten Filme des Jahres (das ich für sehr schwach halte):

1. Trainspotting (Danny Boyle) 8.75/10

Einer der prägenden Filme der 90er Jahre, besonders in Großbritannien. Die Story handelt von fünf jungen Leuten in Edinburgh, die mit Drogen experimentieren und die Konsequenzen davon erleben. Die Songs, Schnitte und Gebrauch von Sprache war Stil prägend und hat eine ganze Generation von britischen Filmemachern beeinflusst (Guy Ritchie, Martin McDonagh, Edgar Wright als Beispiel). Wer ihn noch nicht gesehen hat, der hole es nach, sei es nur um ein Bild der britischen Jugend der 90er zu bekommen.

2. Romeo und Julia (Baz Luhrmann) 8.5/10

Eins vorab: Bei Shakespeare bin ich automatisch voreingenommen und besonders beim bekanntesten Stück des Barden. Dass der Text beibehalten wurde, ist dem Film hoch anzurechnen, hat er damit doch neuen Altersgruppen den Zugang zu seinen Stücken eröffnet (und sei es auch nur die ewige Geschichte zwischen den "star-crossed lovers", ich wurde von diesem Klassiker angefixt und habe seitdem viele Werke von ihm gelesen). Wenn man darüber hinweg sieht, dass einige Szenen viel zu dick aufgetragen wirken (schon klar: Pistolen stehen für Schwerter) und man sich an die rasante, von MTV inspirierte, Schnittfolge gewöhnt hat, dann ist der Film echt gelungen und passt perfekt in die 90er Jahre.

Auch gut, aber keine Bewertung möglich, weil zu selten gesehen: Zwielicht, The Rock, Sleepers

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